Reisebericht



1. Clubreise nach Schottland

18. - 22. Oktober 2002
Oban, Argyll

Motto: "Wir wollen ganz nach Oban"

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4. Tag

Endlich haben wir schottisches Wetter. Als wir aus dem heute früh aus dem Fenster sehen, fällt draußen der typische Nieselregen. Starken wind haben wir auch. Dafür ist es nicht mehr so kalt: Plus 4 Grad. Hungrig sitzen wir am Frühstückstisch und genießen unser "Full Scottish Breakfast". Heute geht es auf eine weitere Hebriden-Insel, die wir die ganze Zeit schon vor Augen haben: MULL. Wir haben einen Termin in der Tobermory Distillery. Wegen der höheren Temperaturen müssen wir heute von unserem Auto, das auf dem Garagenhof steht kein Eis abkratzen. Dafür sind die Scheiben von innen beschlagen.
 
Die Verbindung von Oban nach Mull ist normalerweise sehr gut und wir finden uns gegen 9:00 Uhr im Fährhafen ein. Als wir im Terminalgebäude von Caledonian MacBrayne unsere Tickets kaufen wollen, schlägt zum 2. Mal der neue Winterfahrplan der Fährgesellschaft zu.

Die Hinfahrt von Oban nach Craignure um 10:00 Uhr ist noch so wie im Sommer, nur hatten wir die Rückfahrt für 15:00 Uhr geplant - und die ist im Winter gestrichen. Die 17:00 Uhr Verbindung ist für uns zu spät, weil wir um 17:00 Uhr nochmal einen Termin in der Oban Distillery haben - und Lachs aus der Inverawe Smokery & Fishery wollen wir auch noch mitnehmen. Nun ist guter Rat teuer. Wir ziehen uns zum Krisengespräch zurück. Nebenan der Fahrplan der Strecke Oban - Craignure (Mull) mit Preisliste. Nach etlichen Diskussionen schlägt uns die nette Frau am Counter eine komplett andere Rückreise vor: Nicht direkt nach Oban, sondern über Morvern !!!
Das hieße, daß wir heute ein richtiges "Inselhopping" veranstalten. Also studieren wir 2 weitere Fahrpläne: Nebenan der Fahrplan der Strecke Fishnish (Mull) - Lochaline (Morvern) mit Preisliste. Wir glauben, daß wir die Fähre um 14:10 Uhr in Fishnish Point erreichen können und trotzdem genügend Zeit für die Tobermory Distillery haben - zu mehr allerdings nicht. Wir überlegen weiter: Wenn die Fähre um 14:25 Uhr in Lochaline ankommt und wir es schaffen, in 35 Minuten quer durch Morvern zu fahren, erreichen wir die Corran Ferry um 15:00 Uhr.
 


 
Das würde uns dann genügend Zeit geben, um nach Inverawe zu fahren um Lachs zu kaufen und rechtzeitig zu unserem Meeting in der Oban Distillery zu sein. Nebenan der Fahrplan der Corran Ferry mit Preisliste. Also - gesagt - getan. Wir kaufen Tickets für die 2 ersten Fähren und stellen uns in Line 2 am großen Pot an. Unsere Fähre hat den Namen "Isle of Mull". Lange müssen wir nicht warten, denn die Planung hat etwas gedauert, dann geht's auch schon in den Bauch der Fähre. Wir begeben uns in den Passagier-Bereich und machen es uns in den dick gepolsterten Sofas bequem. Platz ist genug.
Dann legen wir ab. Wir gehen zum Heck des Schiffes und haben einen tollen Blick über die ganze Oban bay mit dem Panorama der Stadt. Oben auf dem Berg McCaig's Tower.
Die Fähre macht Fahrt und so verlassen wir die geschützte Bucht von Oban und passieren die Insel Kerrera. Nun peitscht uns der Wind den Nieselregen so richtig ins Gesicht und der Riesen-Pott beginnt merklich zu schaukeln. Wir halten noch etwas im Freien aus und fotografieren die Rückseite der Insel Kerrera mit Oban im Hintergrund. Als es uns zu ungemütlich wird, gehen wir wieder rein, nehmen einen Drink, kaufen ein paar Postkarten und schreiben diese, was bei dem Wellengang zum Abenteuer wird. Als weitere Highlights sehen wir steuerbords den Leuchtturm der Insel Lismore und backbords Duart Castle auf Mull.

 
Der Regen zwingt uns, den Scheibenwischer auf höchste Stufe zu stellen. auf dem Wasser sind Wellen mit Schaumkrone. Ein schönes Schild begrüßt uns auf der Insel. Da kommt doch gleich schottisches Inselfeeling auf !!! Schon tönt unser Spruch durchs Auto "Wir haben doch keine Zeit !" und wir starten Richtung Tobermory. Wir fahren die komplette Ostküste der Insel ab und haben teilweise sehr bedächtig fahrende Autos vor uns, die auf einer single Track Road auch nicht zu überholen sind.
Per Lautsprecher werden wir gebeten, unser Auto aufzusuchen, weil wir bereits in Craignure angekommen sind. Schon öffnen sich die Tore und wir verlassen die Fähre auf der Insel Mull. Das Wetter ist hier nicht viel anders.
 
Gegen 11:20 Uhr sind wir in Tobermory, einem hübschen kleinen Hafenort an der Nordostecke der Insel. Kennzeichen des Ortes sind die auffällig bunten Häuser am Ufer sowie der charakteristische Uhrturm.
Wir parken das Auto direkt am Ufer und kämpfen uns durch das (Un-)Wetter zur Distillery, die sich gleich am Anfang der Uferstraße von Tobermory befindet, dort, wo das Gefälle der Hauptstraße zuende ist.

 
Als die anderen Besucher den Raum verlassen haben, kommt ein "Komme gleich wieder" - Schild an die Tür und es wird abgeschlossen. Wir verlassen das Visitor Center durch den Hinterausgang und gelangen in den Innenhof. Unsere Privat-Führung führt uns zu den Maisch-Bottichen und zu den Pot Stills. Es gibt hier 2 Wash- und 2 Spirit-Stills. Die Kondensatoren sind ebenfalls INNEN in der Halle und unmittelbar hinter den Stills. Wir erfahren noch etwas zur bewegten Geschichte der Distillery und daß z.B. die Tobermory Whiskies gar nicht auf Mull sondern in der Nähe von Perth gelagert werden. Wir beenden die Distillery-Tour am Eingangs-Tor (Bild unten) und werden anschließend wieder ins Visitor Center gebeten.
Glücklich stehen wir endlich vor dem kleinen Visitor Center der Tobermory Distillery, in dem ziemlicher Betrieb ist. Eine freundliche Frau bittet uns um etwas Geduld, nachdem wir uns als Single Malt Whisky Club Württemberg e.V. vorgestellt haben.
 

 
In einem Nebenraum wird uns ein Video zur Distillery (Bild unten) präsentiert und uns wird jedem ein Dram "Tobermory" und ein Dram "Iona" kredenzt. Wir lassen uns eigens zum Zwecke noch ein paar Nosing & Tasting Gläser geben.
 

 
Iona ist ein neues Produkt des Hauses, ebenfalls stark getorft wie der Ledaig, aber sehr eigenwillig. Wir erwerben eine Flasche für den Club. Nun haben wir etwas in Deutschland nicht erhältliches im Club-Bestand !!!

 
auf dem Rückweg zum auto fällt uns noch eine kleine Statue auf, vermutlich die "Kleine Meerjungfrau der Insel" ? Wenn ein Leser mehr dazu weiß, melde er/sie bitte beim Club. Nun wird es dringend, "Wir haben doch keine Zeit !" und müssen eilig nach Fishnish Point zur Fähre. Das Tempo ist etwas höher als üblich auf Single Track Roads. 15 Minuten vor Abfahrt der Fähre sind wir da. In der kleinen Kantine am Pier wollen wir noch schnell etwas zu essen kaufen, aber der Koch meint nach einem kritischen Blick über's Wasser,
 
Wir erwerben noch ein Paar Tobermory-Mützen und andere Kleinigkeiten und bekommen für den Club noch ein Bar-Towel und etwas Torf sowie etwas gemälzte Gerste geschenkt. Alles in allem eine recht gelungene Aktion. Wir sagen bye bye und beginnen eine zugegebenermaßen etwas wetterbedingt eilige Besichtigung der bunten Häuser an der Uferstraße. In einem Tea Room nehmen wir uns noch Zeit für einen gepflegten Tee.
 

 
daß die Zeit nicht mehr reicht, etwas zuzubereiten bis das Boot da ist (außer einem Bacon Roll). Links im Bild: Der nördliche Teil der Insel Mull zwischen Tobermory und Fishnish Point.
Auf dieser etwas kleinen Fähre müssen wir im Auto bleiben, ein Aufenthaltsraum oder so etwas ist nicht vorhanden. So nutzen wir die Pause, um uns für die nun anstehende aktion zu stärken. 14:25 uhr sind wir wieder auf dem Schottischen Festland, genauer gesagt in Lochaline auf der Halbinsel Morvern. Morvern ist eine -von wenigen Weilern und ein paar kleineren Castles mal abgesehen- unbewohnte Insel mit steilen Braes und weiten Glens. Mit dem Festland verbunden ist Morvern an der Nordost-Seite nahe Fort William. Wir haben exakt 35 Minuten, um von Lochaline quer über die Halbinsel von Lochaline nach Ardgour zur Corran Ferry zu düsen. "Jetzt haben wir wirklich keine Zeit !" Wir sind eine Gruppe von 3 Autos, die das unwahrscheinliche versuchen: Erster ist ein Jeep von BritishTelecom, zweiter ist ein blauer Ford Focus und dritter sind wir. Die ersten beiden fahren derart henkermäßig über Morverns Single Track Roads, daß Jens Mühe hat, dranzubleiben.
Es wird das Maximum aus unserem Peugeot herausgeholt. Trotzdem fahren uns die anderen beiden nach ca. 1/2 der Strecke davon und werden erst wieder kurz vor Ardgour eingeholt. Kai prägt den Spruch: "Einer fährt, einer filmt, und einem ist schlecht !" David meint, Achterbahn sei müde gegen das, was wir hier veranstalten. Rechts: Unsere gesamte heutige Rundreise.
 

 
Ergebnis der Raserei ist, daß wir gerade noch sehen, wie die Fähre ablegt. Keiner der 3 hat es geschafft - lange Gesichter in den Autos. Der Fährmann ist auch etwas eher losgefahren. Nun stehen wir also hier in Ardgour (Morvern) am Inn am Pier und warten 1/2 Stunde. So langsam beruhgen sich unsere Mägen. Wir beobachten einen Radfahrer, der nicht weiß, wo er sich vor dem Sturm und dem Regen verstecken soll. Durch die Wartezeit kommen wir zeitmäßig wieder in die Enge. "Wir haben doch keine Zeit !" Dazu kommt noch, daß unser Tank langsam leer wird.
Unverdrossen versuchen wir trotzdem, alles noch zu schaffen. Wir düsen also weiter, jetzt allerdings auf einer normal ausgebauten und uns gut bekannten Strecke der A 828 nach Süden Richtung Oban bis Connel. Kai mahnt an, dringend zu tanken ! Wir tun dies bei ESSO an der A 85 nahe der Inverawe Smokery & Fishery. Die hat noch geöffnet und wir erstehen noch ein paar Tüten der leckeren und preiswerten Anschnitte. Dann geht's nach Oban. 2 Minuten nach 17 Uhr stehen wir an der Distillery. Puh - geschafft. Wir erhalten von der Visitor-Center-Chefin einige Flyer der Oban Distillery und etwas Malted Barley.
Nun wollen wir noch ein paar Mitbringsel kaufen, nicht wissend, daß viele Läden in der Hauptgeschäftsstraße bereits um 17:30 Uhr schließen. Etwas erstehen wir aber doch noch. Jens stattet noch einen kurzen Besuch bei Anne MacPhail (siehe Tag 1) ab. Wir sind froh, daß die Supermärkte TESCO und COOP lange geöffnet haben und klappern diese noch ab.

David ist müde, so gehen Kai und Jens nach alleine auf eine letzte Pub-Tour in Oban (Fotos). Den Heimweg zum B&B "versüßt" uns noch ein stark angetrunkener Schotte. Im B&B angekommen, wird noch etwas gepackt. Im Zimmer türmen sich Textilien, private Einkäufe und erworbene und geschenkte Club-Utensilien. Gegenüber den vergangenen Tagen sind wir heute relativ zeitig (noch vor Mitternacht !) im Bett. Das war eigentlich unser Schottland-Trip. Für morgen bleibt nur noch die Rückreise.



(C) Single Malt Whisky Club Württemberg e.V. - Jens Burkhardt - Chairman
Benutzung dieses Materials, auch auszugsweise, mur mit Genehmigung des Vereins oder des Autors.




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